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Beruf und Studium im Wandel

Vor dem Beruf stehen Studium oder Ausbildung – und gerade bei Studierenden der Pharmazie tut sich hier etwas. Das Berufsbild des Apothekers befindet sich im Wandel; dies soll sich auch im Studium widerspiegeln, finden die angehenden Pharmazeuten. Und so hat sich der Bundesverband der Pharmaziestudierenden in Deutschland (BPhD) unlängst für eine gründliche Sichtung und Überarbeitung der Approbationsordnung und des Pharmaziestudiums ausgesprochen.

 

Dem BPhD ist sehr wohl bewusst, dass ein so breit gefächertes Studium wie die Pharmazie vielen Ansprüchen gerecht werden muss. Vor allem dürfe der ­Praxisbezug und die Anwendung des Gelernten nicht vergessen werden. »Dabei kann man im derzeitigen Curriculum die Wichtigkeit aller Inhalte auf irgendeine Art und Weise bestätigen«, heißt es in der Einleitung eines elfseitigen Thesenpapiers. »Wir als BPhD sehen jedoch eine Erneuerung der Gewichtung und Stärkung der Flexibilität zur Gewährleistung der Aktualität von Lehrinhalten als dringend notwendig an.«

 

Dafür hat die im Frühjahr 2015 gegründete Arbeitsgruppe »Zukunft« ein Thesenpapier erarbeitet, das aufführt, welche Inhalte ausgeweitet, welche ­reduziert und welche neu hinzukommen sollten. Grundlage war eine bundesweite Umfrage unter allen Pharmaziestudierenden. Beispielsweise sollen Pharmakologie und Pharmakotherapie als Herzstück des Studiums wesentlich früher und ausführlicher behandelt werden. 43 Prozent wünschen sich mehr Anatomie und Physiologie. Toxikologie komme im Hauptstudium deutlich zu kurz. 21 Prozent wollen mehr Klinische Pharmazie. Auch Biotechnologie, Immunologie und Antibiotika bekämen derzeit angesichts immer neuer Antikörper und Resistenzprobleme mehr Relevanz.

 

Mehr Fachenglisch statt Latein

 

Andere Inhalte sollen dagegen reduziert oder in andere Fächer integriert werden. So spricht sich der BPhD für eine Abschaffung der separaten Fächer Nomenklatur und Terminologie aus. Das nötige Wissen ließe sich auch im Rahmen der Organik beziehungsweise Anatomie und Physiologie sowie Arzneiformenlehre praxisbezogener vermitteln. Die Analytik nimmt aus Sicht der Studenten deutlich zu viel Raum ein oder ist zum Teil nicht mehr zeitgemäß. Der Fokus solle auf instrumenteller Analytik liegen. Physik und Mathematik sollten ebenfalls mehr Bezug zu den Anwendungsgebieten der Pharmazie haben.

 

Als neue Inhalte wünschen sich die Studenten Wissenschaftsenglisch, sowohl für den Umgang mit Originalpublikationen als auch zur Beratung in der Offizin. Für Letztere fordern sie auch mehr psychologische Grundlagen. Computerkenntnisse sollen ab dem ersten Semester vermittelt werden, zum Beispiel für Versuchsauswertungen. Das Fach Ethik soll für den Konflikt des Apothekers zwischen Kaufmann und Heilberufler sensibilisieren.

 

Mehr Semester

 

Um alle Inhalte unterzubekommen, den Druck auf die Studenten aber zu mindern, empfiehlt der BPhD die Verlängerung des Pharmaziestudiums um mindestens ein Semester. Die Famulatur soll von acht auf vier Wochen gekürzt werden. Dies reiche als Einblick in den Offizin-Alltag. Dagegen soll das Wahlpflichtfach zeitlich auf zweimal vier Wochen und auch inhaltlich ausgeweitet werden, sodass zum Beispiel wissenschaftliche Arbeiten zum Medikationsmanagement in der öffentlichen Apotheke möglich würden. Lehrinhalte sollten zudem besser aufeinander abgestimmt und gegebenenfalls in eine feste Reihenfolge gebracht werden, zum Beispiel Medizinische Chemie, Pharmakologie und Klinische Pharmazie. Trotzdem sollen die Studierenden mehr Möglichkeiten erhalten, ihren Stundenplan zu individualisieren. Unnötige Anwesenheitspflichten sollen abgeschafft werden, um mehr Möglichkeiten für das Selbststudium zu bieten.

 

Prüfungen fairer gestalten

 

Der BPhD schlägt auch Änderungen bei den drei Staatsexamina vor. Der Fragenkatalog für das erste Staatsexamen sollte mehr Bezug auf die für das Hauptstudium wichtigen Grundlagen nehmen. Die Prüfungen sollten nicht mehr so geballt an vier aufeinander folgenden Tagen stattfinden. Mit erfolgreichem Bestehen wünschen sich die Studenten bereits mehr Befugnisse bei der Arbeit in öffentlichen Apotheken sowie als Hilfswissenschaftler. Der zweite Abschnitt der Pharmazeutischen Prüfung soll durch einen einheitlichen, verbindlichen Erwartungshorizont und einen Lernzielkatalog weniger subjektiv und standortunabhängiger werden. Die Landesprüfungsämter sollen die Prüfungen stichprobenartig hospitieren, um Qualität, Aussagekraft und Vergleichbarkeit sicherzustellen. Im dritten Staatsexamen sollten auch vermehrt pharmazeutische Kompetenzen aus anderen Bereichen als der öffentlichen Apotheke anerkannt und abgefragt werden.

 

Aus Sicht der Studierenden ist auch mehr Interdisziplinarität gefragt. Das Arzneiformenlehre-Praktikum könnte mit PTA-Fachschulen gemeinsam durchgeführt werden. Auch gemeinsame Veranstaltungen mit anderen gesundheitsberuflichen Studiengängen wie Medizin und Psychologie wünschen sich die Studenten.

 

»Ein gutes Studium strebt eine kontinuierliche Verbesserung der Lehre und eine sowohl umfassende als auch sinnvoll gestaltete Ausbildung der zukünftigen Pharmazeuten und Apotheker an«, heißt es im Schlusswort des Thesenpapiers. Die Approbationsordnung sollte nicht zu starr sein, »wo wir in einigen Jahren im Sinne des Perspektivpapiers der ABDA und unserem selbsterstellten Berufsbild stehen wollen«.