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Bewerbermangel in Apotheken: Stadt – Land – Schluss?

Von Cornelia Dölger / Auf dem Land fehlen nicht nur Hausärzte, sondern auch Apotheker. Je kleiner der Ort, desto größer ist offenbar die Befürchtung der Apotheker, nicht genügend Bewerber auf freie Stellen zu bekommen. Andreas Kiefer, Präsident der Bundesapothekerkammer (BAK), sieht das Problem vor allem in den politischen Rahmenbedingungen. Apotheken müssten aber auch selbst aktiv werden, sagte Kiefer der PZ.

 

Man sollte meinen, dass der Beruf des Apothekers eine große Anziehungskraft auf junge Pharmazeuten besitzt: Nicht nur genießt er einen hohen sozialen Stellenwert und verspricht ein gutes Einkommen. Mit Menschen umzugehen und ihnen zu helfen, zählt ebenfalls zu den Pluspunkten. Und doch haben Apotheken ein echtes Nachwuchsproblem, wie Umfragen immer wieder zeigen. Vor allem auf dem Land scheint mit der Attraktivität des Apothekerberufs Schluss zu sein.

 

An der Anzahl der approbierten Apotheker kann dieser Mangel allerdings nicht liegen, denn die hat sich in den vergangenen Jahren kontinuierlich erhöht, sagte Andreas Kiefer, Präsident der Bundesapothekerkammer (BAK), im Gespräch mit der PZ. Zwischen 2004 und 2014 sei die Zahl um rund 14 Prozent gestiegen – «und der Trend wird sich fortsetzen».

 

Düstere Prognose

 

Und so sollte der Blick in die Zukunft eigentlich optimistisch stimmen: «Der Bedarf an Approbierten steigt weiter, und er kann auch gedeckt werden», so Kiefer. Umfragen unter Apothekenleitern zeichnen allerdings ein anderes Bild: Nur etwa ein Viertel der Befragten geht einer Apokix-Erhebung zufolge davon aus, überhaupt einen geeigneten Bewerber für eine neue Stelle zu finden. In kleineren Orten mit weniger als 5000 Einwohnern sind es sogar 43 Prozent, die davon überzeugt sind, niemanden zu finden. Dass es eigentlich an Apothekern gar nicht mangelt, überrascht also. «Denn das Gefühl ist ein anderes», bestätigte Kiefer.

 

Das Problem sei die Verteilung der Apotheker, und das in doppeltem Sinn, wie Kiefer betonte. Zwar sei deren Anzahl absolut gesehen in den vergangenen Jahren am stärksten in den öffentlichen Apotheken gestiegen, doch anteilsmäßig gewinne der Industriesektor in der Beliebtheitsskala immer mehr an Bedeutung: Zwischen 2004 und 2014 betrage der Zuwachs der Apotheker, die in Pharmaunternehmen ihr Geld verdienen, 57 Prozent, während der Zuwachs derer, die in öffentlichen Apotheken arbeiten, lediglich 8 Prozent ausmache. Hinzu komme besagte Stadt-Land-Problematik. «Wir haben dort offensichtlich einen Attraktivitätsmangel in der Selbstständigkeit», meinte Kiefer.




Foto: Fotolia/Thomas Reimer


Unsicherheit bei Apothekern

 

Woran kann das liegen? Kiefer sieht das Problem vor allem in den politischen Rahmenbedingungen und verweist hier auf ein aktuelles Beispiel. «Nehmen Sie die gescheiterten Verhandlungen in der Regierungskoalition zum Rx-Versandverbot.» Einmal mehr hätten Apotheker dadurch erfahren, dass sich die Politik nicht ausreichend für ihre Belange einsetzt. Auch in der E-Health-Gesetzgebung vermisst der BAK-Präsident Einsatz für die Apotheker, etwa beim Medikationsplan. «Wir brauchen viel mehr Entscheidungskompetenz in den Apotheken», kritisierte er. «Was die Politik von den Apothekern will, ist nicht wirklich klar.»

 

Kiefer vermutet, dass diese Unklarheit bei vielen Apothekern eine Unsicherheit auslöst, die sie letztlich darin hindert, den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen beziehungsweise sich in einer Apotheke vor Ort zu bewerben. Besonders kleinere Betriebe seien betroffen, denn sie seien es, die die Folgen von womöglich falschen politischen Entscheidungen am stärksten zu spüren bekämen. «Und eine solche Unsicherheit macht das Umfeld nicht gerade attraktiv.»

 

Dabei sei das Gegenteil nötig: Um auch die Arbeitsplätze auf dem Land attraktiv zu machen, müssten sich die Rahmenbedingungen ändern, etwa durch eine bessere Honorierung von Notdiensten und anderen Leistungen, die gerade von ländlichen Apotheken erbracht werden müssen. «Das kann eine Möglichkeit sein», so Kiefer. «Wenn der wirtschaftliche Boden gut gedüngt ist, ist das Stadt-Land-Problem gelöst.»

 

Imagewandel nötig

 

Apotheken müssten aber auch selbst etwas tun, um dem Bewerbermangel entgegenzuwirken. Auf Länderebene sei man längst aktiv, unter anderem durch die Integration von qualifizierten Migranten und Flüchtlingen. «Das ist ein Schritt in die richtige Richtung», meinte Kiefer. Damit wieder mehr Approbierte die Apotheke als Arbeitsplatz wählen, sei aber auch ein gewisser Imagewandel nötig, betonte der BAK-Chef. «Wir brauchen vor allem einen Switch bei der Wahrnehmung des Berufs und der Rolle der Apotheken im Gesundheitswesen.»

 

Dass etwa in vielen Apotheken ein Großteil der Angestellten in Teilzeit arbeitet, habe zweifellos sein Gutes, sagte der BAK-Präsident. «Wir reden hier von der nötigen Vereinbarkeit von Familie und Beruf.» Andererseits trage der hohe Anteil an Teilzeitkräften – sowohl bei den Approbierten als auch bei PTA und PKA liegt er bei jeweils 60 Prozent – zu einem zu einseitigen Image des Apothekerberufs bei.

 

Nicht nur mit Teilzeit und Familienfreundlichkeit solle er verknüpft werden, sondern im selben Maße mit Vollzeit und Karriere, forderte der BAK-Präsident. «Dieses Bild ist sonst nicht realistisch.» Hier sind die Apotheker in einem Dilemma, denn einerseits machen sie mit dem beliebten Teilzeitmodell gute Erfahrungen, wie Umfragen regelmäßig belegen. Andererseits, so Kiefer, habe dies zur Folge, dass viele junge Approbierte die Apotheke vor Ort eben nicht zuallererst mit Karriereoptionen verbinden – zu Unrecht. Nicht nur biete der Apothekerberuf interessante Perspektiven, sondern ermögliche unter den richtigen Rahmenbedingungen auch ein gutes Einkommen.